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Ist es an der Zeit, exponentiell menschlich zu werden?

Von Gerd Leonhard, Zukunftsdenker und Humanist, Zürich, Schweiz, 7. November 2016

Ist es an der Zeit, exponentiell menschlich zu werden?

Maschinen können das menschliche Gehirn immer besser imitieren und werden es vielleicht schon bald in bestimmten Bereichen übertreffen, z. B. Berechnungen pro Sekunde oder Speicherkapazität. Dennoch glaube ich, dass auf absehbare Zeit kein mechanischer Apparat, Algorithmus oder Bot einen originellen Gedanken haben, ein bedeutendes Kunstwerk schaffen, ein neues Wissenschaftsgebiet erfinden oder echte Empathie und Mitgefühl zeigen kann. Ja, Maschinen werden zunehmend gut darin sein, erstaunliche Simulationen aber (hoffentlich) nie in Wirklichkeit Existenz - Aber vielleicht ist es ja gerade die Verlockung der magischen und ultra-bequemen Simulationen, die uns süchtig machen könnte?

Doch ist es der Sinn des Seins, der Existenz, des Dasein (wie es viele deutsche Philosophen formuliert haben), die bei Maschinen, Computern und Algorithmen völlig fehlt, egal wie schnell und leistungsfähig sie auch sein mögen.

Das menschliche Potenzial wieder freisetzen, die menschliche Entfaltung fördern!

Mein Fazit: Da intelligente Maschinen zunehmend Routinearbeiten aus unserem Leben entfernen - und bald auch viele komplexere Aufgaben automatisieren und virtualisieren werden - ist die Menschheit im 21. Jahrhundert aufgerufen, ihr volles Potenzial wiederzuentdecken und zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört auch die Verbindung von Geist und Körper, die seit der industriellen Revolution verloren gegangen ist, sowie ganzheitlichere Ansätze für eine Zukunft, die tatsächlich Folgendes unterstützt menschlich Blühen (siehe mein Kapitel über Glück und Eudämonie in meinem neuen Buch Technologie vs. Menschlichkeit). Das antike Griechenland und das Italien der Renaissance können einige Hinweise auf eine gebildete Menschheit liefern, die die Künste synchron mit kommerziellen und technischen Spitzenleistungen verfolgt.

Die herkömmliche Bildung wird überflüssig

Die große Ironie ist, dass die offizielle Bildung in den meisten Ländern - mit einem starken Fokus auf MINT-Disziplinen (Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik) und einer leider allzu häufigen Verunglimpfung der freien Künste - eigentlich veraltet ist. Die freien Künste, die so genannt werden, weil sie einst zu den freien Künsten gehörten, werden die Plattform sein für exponentielles Denken Jahrhundert - auch organisatorisch, wo die individuelle Kreativität bereits die traditionellen Geschäftsprozesse und die ROI-Besessenheit als primären Garanten für Überleben und Erfolg abgelöst hat.

Bis vor wenigen Jahren waren Menschlichkeit und Kreativität in einer Welt der Massenprodukte (und Dienstleistungen) tatsächlich ein Risiko. Aber in einer Welt der globalen Synchronität mit unendlicher Vielfalt und unvermeidlicher Reichtum (siehe Musik, Filme, Reisen und sehr bald auch Banken und Energie) wird Kreativität zum Muss. Da die Künste verkümmert sind und begonnen haben, die Wissenschaft zu imitieren, besteht die Ironie unseres neuen Jahrhunderts darin, dass Organisationen lernen müssen, wie Künstler zu denken und zu handeln, um zu überleben.

Für einen Künstler ist das Chaos natürlich. Steve Jobs, der berühmteste Unternehmer der neuen Ära, war im Grunde ein Künstler in der Verkleidung eines Chief Executive. Als Apple die Grenzen der Computertechnik sprengte, um ein universelles Ökosystem zu werden, sind die Menschen nun aufgerufen, ihre passive, auswendig gelernte und geskriptete Lehre nach Beispielen und Best Practices hinter sich zu lassen. Die Unternehmensführung wird sich ihrerseits zur Kunst des forschenden Lernens entwickeln - eine neue Renaissance der Entdeckung.

Wir müssen immer menschlicher ("exponentiell") werden, um ein Gegengewicht zum exponentiellen technischen Fortschritt zu schaffen.

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